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Prof. Dr. Martin Gröger - Arbeitsgebiete

 
  1. Bedeutung von Fiktionen
  2. Ausgehend von der These, dass forschende Tätigkeit immer auch ein Lernprozess ist, lassen sich historisch belegte Forschungsprozesse mehrperspektivisch analysieren, um gegebenenfalls neue Impulse für die Lösung von Schlüsselproblemen des Verstehens von Fachinhalten und des Verständigens über diese Inhalte zu erhalten. Ein ertragreiches Beispiel hierzu ist die Entwicklung des Ostwaldschen Verdünnungsgesetzes.
    Ein wichtiger Aspekt für die naturwissenschaftsdidaktische Forschung können die bisher in diesem Bereich nicht debattierten Fiktionen sein.

    Nach neuer Begriffsbestimmung ist eine Fiktion ein bewusst verwendetes gedankliches Konzept, das die Wirklichkeit nur unvollständig beschreibt und häufig nicht widerspruchsfrei mit Erkanntem ist. Durch Vereinfachung dient sie als methodisches Hilfsmittel der Denkökonomie und zur Speicherung von Wissen, wobei sie nicht analytisch reduziert, sondern das Komplexe mit seinen synästhetischen und synergetischen Zusammenhängen auf Qualitatives vereinfacht darstellen kann. Über die Veranschaulichung bietet sie einen Zugriffsmodus zu per se unvorstellbaren Sachverhalten. Dabei bedient sie sich notwendig anthropistischer und hoministischer Denkmuster, die der menschlichen Erkenntnis Grenzen setzen. In diesen Grenzen hat die Fiktion als aktives Programm mit ihrem „als ob“ einen Spielraum, der individuell verschieden ist und aus dem heraus sie auf Umfassenderes verweisen kann. Über Sprache und Bilder erreicht die Fiktion eine Vermittlung von Wissen. Sie ist theoriekonstitutiv und gibt eine heuristische Richtlinie. Die Fiktion knüpft an den Vorerfahrungen an und stellt eine mögliche Brücke zwischen Bekanntem und Unbekanntem, Theorie und Empirie, Logischem und Sinnlichem, Kognitivem und Affektivem dar. Da sie intuitives Denken mit rationaldiskursivem Denken und - als Hybridvorstellung - Alltagswissen mit wissenschaftlichem Wissen zu vereinen vermag, kann sie Mittler zur Überwindung einseitiger Sichtweisen sein.

    Fiktionen spielen eine große Rolle für den Problembereich „Alltagsvorstellungen - wissenschaftliche Vorstellungen - Konzeptwechsel“: Sie dienen insbesondere der Veranschaulichung naturwissenschaftlicher Sachverhalte und helfen bei der Lösung kognitiver Konflikte im Konzeptwechselprozess. Sie stellen für Lernende wie für Forschende - mit jeweils unterschiedlicher Akzentuierung - essentielle Hilfsmittel für eine erfolgreiche Bewältigung ihrer jeweiligen Aufgaben und Probleme dar.
  3. Fähigkeiten und Fertigkeiten eigenständigen naturwissenschaftlichen Arbeitens
  4. Das Seminarfach wurde in der gymnasialen Oberstufe des Bundeslandes Thüringen mit dem Schuljahr 1999/2000 als eine neue Lernumgebung für alle weiter führenden Schulen verbindlich eingeführt. Hauptziele des fachübergreifend angelegten Faches sind, die Schülerinnen und Schüler zu „selbständigem Lernen und wissenschaftspropädeutischem Arbeiten“ zu führen sowie ihre „Studierfähigkeit“ zu verbessern. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Seminarfacharbeit, die die Lernenden in Gruppen über etwa ein Jahr eigenständig angefertigen.
    In den Niederlanden wurde im Jahre 1998 die Oberstufe ebenfalls neu gestaltet. Im so genannten „Studiehuis“ sollen die Schülerinnen und Schüler unter der Leitidee „van onderwijzen naar leren“ (vom Unterrichten zum Lernen) verstärkt selbständig arbeiten und Verantwortung für ihren Lernfortschritt übernehmen. Auch hier ist eine größere eigenständige Arbeit anzufertigen, das „Profielwerkstuk“. Diese Profilarbeit wird von den Schülerinnen und Schülern zu zweit oder dritt angefertigt. Im Lehrplan sind zur Ausarbeitung bis zu 80 Stunden vorgesehen.
    Über eine Querschnittstudie an 10 Pilotschulen sowie eine Längsschnittstudie an einem Gymnasium in Thüringen und Lehrerbefragungen zur schulspezifischen Umsetzung des Seminarfaches in Thüringen bzw. des Studiehuises in den Niederlanden wurden Ausprägungen fächerübergreifender Kompetenzen bei Schulabgängern im naturwissenschaftlichen Bereich im Vergleich mit dem bisher praktizierten Oberstufenunterricht untersucht und Kriterien heraus kristallisiert, die aus Sicht der Lehrenden in besonderer Weise geeignet sind, eigenständige Arbeiten von Schülerinnen und Schülern zu begleiten und zu bewerten.
    Darauf aufbauend werden in Kooperation mit der Universität Twente (NL) Unterrichtsmodule für den Mittelstufenunterricht in Deutschland und den Niederlanden entwickelt, die speziell darauf ausgerichtet sind, Fähigkeiten und Fertigkeiten eigenständigen naturwissenschaftlichen Arbeitens unter besonderer Berücksichtigung des Experiments als Mittel zur Erkenntnisgewinnung zu üben und zu festigen.

  5. Science Forum
  6. Konzeption, Entwicklung und Leitung des Science Forums an der Universität Siegen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Volker Scharf und Andreas Woyke, Universität Siegen, Didaktik der Chemie.
    Grundidee und Zielsetzung des Science Forums:
    Naturwissenschaft und Technik bestimmen immer mehr die Bedingungen unserer Existenz. Die Welt wird zunehmend durch menschliches Handeln bestimmt und dennoch werden uns gerade die technisch geprägten Bereiche dieser Welt immer fremder. Wir stehen in einer Entwicklung, in der der Zuwachs an wissenschaftlichem und technischem Wissen paradoxerweise bei vielen Menschen zu Unsicherheit und Orientierungslosigkeit führt.
    Insbesondere die Schwierigkeiten der Verständigung über die wissenschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen unseres Lebens kennzeichnen ein Kommunikationsproblem und fordern zu einem neuen Dialog zwischen Experten und Laien heraus. Das Science Forum soll sich langfristig zu einer Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entwickeln: Fachvertreter sollen zu Zielen und Konsequenzen ihrer Forschungen Stellung nehmen. Andererseits soll die Sensibilität der Fachleute für das Wissen und Denken der Laien gestärkt werden.
    Zum aktuellen Angebot siehe: www.science-forum.de